heidi mühlschlegel
Zeichnung Objekt Installation Profil Ponybar
     
. Vita
. Ausstellung

Innen ist Außen ist Innen.
Zu den Arbeiten von Heidi Mühlschlegel
Daniela Stöppel, 2009

 

Heidi Mühlschlegel arbeitet im weitesten Sinne figürlich. Ihre Stofffiguren erinnern an Tiere, Kinder, Menschen, Zwerge, oder andere menschliche oder menschenähnliche Gestalten. Als Puppen gehören sie gleichzeitig der menschlich-belebten Sphäre an und der des toten Materials. Die Puppe fungiert als physisches Gegenüber und psychische Projektionsfläche, das macht ihren grundsätzlichen Fetisch-Charakter aus.

Heidi Mühlschlegel lässt ihre Figuren Schicht um Schicht Gestalt annehmen. Stoffe, Kleidungsstücke, Watte, Wolle, Farben, Applikationen, aber auch alle anderen erdenklichen Gegenstände, wie Holzschachteln u.ä. bilden nach und nach den Körper aus. Auf diese Weise entsteht ein Agglomerat von größtmöglicher Heterogenität, ohne fest definierte Umrisslinien, oft ohne klare Grenze zwischen Innen und Außen, das aber trotzdem Figur und Gestalt bleibt. Oft kann der Blick ins Innere der Figur dringen und lässt die Untiefen seines Innenlebens hervortreten. Auch die aufgetragene Farbe ist alles andere als ein homogener, abschließender Überzug oder durchgehende Haut, sondern dringt in das Gewebe ein, bröckelt ab, reißt auf, vermischt sich mit den übrigen Materialen zu einem heterogenen Gemenge, dem etwas Dreckiges anhaftet, wie einem Faschingskostüm, das sich mit der dicken Clownsschminke vermengt und deren süßlichen Geruch angenommen hat. Nicht nur das Puppenhafte ihrer Figuren, sondern auch dieses Aufbrechen der Oberfläche macht die Befremdlichkeit ihrer Arbeiten aus, oder, wie Hannah Arendt es formulierte: Das Innere, die Eingeweide des Menschen, sei eben nicht für das Auge bestimmt. Man assoziert den an einer Leine aufgehängten, prall mit Süßigkeiten gefüllten Stoffesel des amerikanischen Kindergeburtstags, der solange mit Stockschlägen bearbeitet wird, bis die Hülle aufplatzt und das Innere hervorkommt.

Der überbordenden Materialfülle liegt dabei bei Heidi Mühlschlegel ein hohes Maß an Ökonomie zu Grunde. Die verwendeten Stoffe, Perlen, Farben, Pailletten, Glitzerlacke sind oft Fundstücke, Restposten, vom Flohmarkt oder Geschenke. Die Materialien geben dabei in gewisser Weise die Erscheinung des Objekts vor. Zugleich sind die vielfältigen Applikationen eigenständiges Thema – die Schleifen, Perlen, Glitzerlacke gehören einer gemeinsamen feminin konnotierten Bedeutungssphäre an. Die immer wiederkehrenden Pferde- und Ponymotive lassen ebenfalls eine klischeehafte Mädchen-Ikonographie aufscheinen, die aber alles andere ist als bloßer Kitsch-Trash oder ironischer Kommentar. Vielmehr ist die Wahl der Themen, Motive, Materialien bei Heidi Mühlschlegel durch einen sehr persönlich-privaten Zugang bestimmt, der letztlich aus der eigenen Erfahrungs- und Gefühlswelt schöpft. Die harten Transformationsprozesse, denen sie diese Themen unterzieht, rücken diese jedoch ab von allem Romantizismus.

Ihre private Ikonographie ist besonders in den Öl- und Acrylbildern nachzuvollziehen. Diese sind ebenfalls in vielen Schichten, oft auf gemustertem Stoff oder mit aufgenähten Applikationen versehen, und stehen damit dem schichtweisen Patch-Work-Aufbau der Figuren nahe, wenngleich sie einen ungleich "sauberen" Eindruck hinterlassen, da die Farben hier unvermischt und rein nebeneinander stehen. Der fleckenweise Farbauftrag und die Farbzusammenstellung haben vielmehr eine gewisse Ähnlichkeit mit der frühen Malweise Kandinskys. Die Figuren und Situationen, die in diesen Bildern auftauchen, sind dabei ebenfalls privaten Erfahrungen entlehnt, Träumen und Erinnerungen. Es entsteht eine märchenhafte Atmosphäre, eine bunte Zwischenwelt, die sich in der Malerei "positiver" artikuliert als in den Objekten. Beides, Malerei und Figuren, kombiniert Heidi Mühlschlegel in erzählerisch und atmospärisch dichten Installationen.

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